eigentlich lässt sich der camino auf 3 ganz kleine dinge reduzieren.
3 dinge, um die du dich jeden tag auf's neue kümmern musst - mehr aber auch nicht...!
1. essen&trinken
2. schlafen
3. laufen
den tag über brauchst du nahrung für den weg, trinken für die strecke und am ende des tages eine herberge, in der du schlafen kannst. und den tag an sich verbringst du laufend.
und ganz erstaunlich war für mich die erkenntnis, dass alles, was du zum leben brauchst, in einen rucksack passt!
womit du dich im alltag und in deinem zuhause umgibst ist eigentlich nur on-top. aber richtig lebensnotwendig ist es nicht.
und wenn du viele tage in erster linie körperlich und nicht geistig gefordert wirst, wird auch dein denken einfacher. in den zeiten, die du alleine auf dem camino läufst kannst du für dich entscheiden, was du machst... bist du ganz bei dir und in gedanken, bist du in der natur und bewunderst jeden stock & stein...was auch immer du willst. denn du entscheidest.
eigentlich hatte ich erwartet/gedacht, dass man auf dem camino ganz viele menschen trifft, die eine große bedeutung im leben bekommen...tatsächlich werden nur ein paar ganz wenige wirklich wichtig, die anderen kommen und gehen auf diesem weg...
und du kannst auch komplett entscheiden, wen du wie weit in dich reingucken lässt, wie viel du von dir preis gibst.
ich habe immer gesagt: das ist MEIN camino!
ich bin auf diesem ganzen weg mit so vielen menschen zusammen, doch niemandem verpflichtet und keinerlei rechenschaft schuldig.
diese menschen werde ich nie wieder sehen - ich bin für sie ebenso nur ein pilger, mit dem ich im ersten moment nur die richtung und das ziel teile. mehr nicht. es sei denn, ich will das es anders ist. wir sind immer nur gegenseitige momentaufnahmen. du kennst keine vergangenheit, keine geschichte und keinen privaten/sozialen hintergrund solange es dich nicht interessiert.
das mag ein bisschen negativ/egoistosch klingen - ist so aber nicht gemeint.
natürlich bewegst du dich mit deinem grundverständnis von höflichkeit, moral und freundlichkeit auf dem ganzen weg, so wie die meisten pilger auch.
ich habe eigentlich jeden tag jemanden kennen gelernt oder (wieder-)getroffen, der den titel "tages-engel" bekommen konnte: mal hat mir jemand von seiner schokolade angeboten, als meine energie runter war...mal hilft dir jemand den rucksack auf den rücken zu wuchten...mal gibt dir jemand ein pflaster/eine tablette/einen guten rat oder bringt dich zum lachen.
und auch man selbst wird für den ein oder anderen ein "tages-engel" sein... : )
wichtig sind für meinen camino 2 worte gewesen: hab vertrauen!
der camino wird dir alles geben, was du benötigst. es wird sich alles finden, wenn du es brauchst.
ich habe auf meinem camino aufgehört zu planen...
normalerweise brauche ich immer einen plan um mich sicher zu fühlen...mir ist es am liebsten, wenn ich morgens weiß, wie der kommende tag, die kommende woche verläuft.
es ist wohl eine meiner größten errungenschaften gewesen, dass ich gelernt habe, jeden tag einfach zu (er-)leben.
egal wo du bist und was dir passiert, es bringt dich nicht um.
eine nacht in einer eisigkalten herberge kann man überstehen.
ein paar tage tegen hintereinander und immer nasse/feuchte klamotten kann man überleben.
auch wenn man sich verläuft - mit händen und füßen kann man so einiges in erfahrung bringen...
die meisten dinge sind einfacher als man denkt!!!
schlussendlich habe ich viel gelernt (über menschen, mich, laufen), bin über mich selbst hinausgewachsen, habe eine wunderbare freundin in korea dazu gewonnen
http://blog.naver.com/huunju00 und würde jeden moment wieder loslaufen wollen - wenn ich zeit & geld hätte.
vielleicht sogar von meinem zuhause bis nach santiago :)
als ich wieder zurück war, fühlte es sich so an, als wenn ich nur 3 tage weg gewesen war. aber da all die erinnerungen und erlebnisse niemals in 3 tage passten, MUSSTE der camino in einer parallelwelt statt gefunden haben...oder so ; )
man ist wieder da und der alltag drängt sich einem auf... alles ist gleich geblieben um dich herum...nur innen drin scheint sich irgendwas getan zu haben...
ich bin diesen weg nicht aus religiösen gründen gelaufen - aber dennoch lehrte der camino mich durchaus ein bisschen demut...
ich wünsche dir (und jedem anderen menschen, der interesse daran hat), dass du eines tages loslaufen kannst um eine unglaublich große, bereichernde und beeindruckende erfahrung zu machen!
in diesem sinne: buen camino!
dajat - 22. Mär, 01:41